Lettland in 9 Bieren plus 12 Wissens Schlückchen

Genauer genommen, Riga in 7 Brauereien, die ich im Januar 2025 erleben durfte. ABER da auch einige der kennen gelernten Biere und Brauereien außerhalb von Riga ihre Heimat haben, hier der Rundumschlag.
Vorweg, wer eine kulturträchtige und vielseitige Stadt in 2-3 Flugstunden Nähe sucht, modern mit vielen alten Anteilen ist in Riga genau richtig. Einfach innerhalb der Stadt von A nach B zu kommen (und unfassbar günstig), viele kulinarische Leckereien auch aus den Nachbarstaaten und überall Zapfhähne mit Bier. Denn Lettland wie auch seine baltischen Nachbarn sind traditionell Biertrinker Nationen. Die Zeit der russischen Besetzung hat dies keinen Abbruch getan. Obwohl die Bierproduktion verstaatlich und vereinheitlicht wurde. Das Heimbrauen war erlaubt. Und wer lecker Bierchen trinken wollte, hat es einfach selbst hergestellt.

Fakten zu Lettland

Ein paar Fakten zu Lettland: Lettland ist 5 mal so klein wie Deutschland und grenzt im Norden an Estland im Süden an Litauen. Im Osten ist es etwas ungemütlicher mit Russland und Belarus als Nachbarn. Mit 1,875 Millionen Einwohner sehr dünn besiedelt wobei ca. 650 Tausend alleine in Riga sind. Hier spielt also in vielen Dingen die Musik und läuft das Bier!

Lettland mit 9 Bieren & Brauereien erklärt

Cesu Alus Lido Specialais Bier

Die Brauerei Cesu Alus AG ist die bekannteste und größte Brauerei in Lettland. In 2018 war der Marktanteil bei ganzen 64% !!!. Auch dank ihres mittlerweile finnischen Mutterkonzerns Olvi. Gegründet 1590 im Norden von Lettland in der kleinen Stadt Cesis mit seinen 15tsd. Einwohnern. Beeindruckend – da Lettland seit dieser Zeit von den Schweden, Polen, Deutschland und Russen beherrscht wurde bis sie 1991 endliche wieder unabhängig wurden. Je nach Quellen besitzt Lettland heute ca. 60 Brauereien bei nur 1,9 Millionen Einwohnern = pro ca. 32.000 Einwohner eine Brauerei. Im Vergleich zu Deutschland sind wir nur bei einer Brauerei pro 55.880 Einwohner. Weitere spannende Themen auch unter 10 Dinge über Lettland.
Die am meisten verkauften und lokal erhältlichen Biere sind helle Lagerbiere, die ich als Pilsener Biere beschreiben würde. Nicht so butterig wie die tschechische Version, aber auch nicht so herb wie das norddeutsche Pilsener oder so süßlich wie das Italienische. Halt eine lettische Version des Pilsener Bieres.

Helles Cesu Alus mit atemberaubenden Scampis

Mitava

Die Gruppe Prāta Vētra ist eine populäre lettische Pop-Rock-Band gegründet in 1989. Bekannt insbesondere international als Brainstorm, als sie 2000 beim Eurovision Song Contest mit dem Lied “My Star” den dritten Platz belegten. Wer sich erinnert, Deutschland nahm mit dem unfassbar „interessanten“ und „tiefgründigen“ Lied „Wadde hadde dudde da“ von Stefan Raab teil. Er wurde 5.!! in dem Jahr.
In Zusammenarbeit mit der Cēsu Alus Brauerei entwickelten sie das Bier Mitava. Heute eines der meist getrunkenen Biere Lettlands. Die Idee für das Bier entstand, als der Gitarrist der Band Jānis Jubalts eine alte Rezeptur seines Vaters fand, die dann gemeinsam mit der Brauerei umgesetzt wurde. Was der Name bedeutet? Schau auf die Wissens Schlückchen.

Das probierte Mitava ist süffig, gut karbonisiert, klar, bekömmlich und wird auch in Dosen abgefüllt. Den höheren Mehrwert von dem Metallfolien oben auf dem Deckel der Dosen konnte ich jedoch nicht herausfinden, ohne die Brauerei zu kontaktieren. Meine Meinung: looks. Passt gut zur Dose, macht es etwas wertiger. Es ist wahrscheinlich grundsätzlich hilfreich, dass die Cesu Brauerei die größte Dosenabfüllanlage im Baltikum besitzt und immerhin (offiziell) bis zu 50% der Materialen recycelt.

Mitava überall in Märkten und Shops zu finden

Uzavas Alus Bier

Das Užavas Gaišais getrunkene Bier ist ein helles untergäriges Bier mit leichter Hopfennote und liegt bei 4,6%. Wie übrigens die meisten von Uzavas angebotenen Biere: zwischen 4,6 und 4,9% Alkohol. Lediglich das baltische Porter ist ein bissle höher bei 5,8%. Das ist übrigens auch typisch für Lettland. Helle Biere, Lagerbiere also untergärig so wie ein Helles oder Pilsener Bier wie wir sie in Deutschland kennen. Ohne viel Schnick Schnack um die 5% Alkohol.
Die Brauerei selbst ist fein klein und noch gar nicht so alt! Erst 1994 gegründet – 27km entfernt von Ventspils und 200km von Riga Airport. Als ich den Ort gelesen hatte, war für mich klar: diese Stadt hat etwas mit Bier zu tun. Wenn schon „Pils“ im Namen verortet wurde. Weit gefehlt: die Bezeichnung Ventspils kommt von Hafenstadt = Pils an dem Fluss Venta = Vents bedeutet also Stadt an der Venta. Nix mit Bier. Dafür ist Uzavas Alus eine typische lettische Familienbrauerei. Da die Nachfrage groß war, konnte die Brauerei zwei Mal erweitert werden und braut jetzt mit deutschen Geräten. Anfangs verwendeten sie lokales Malz, aber das Klima in Lettland ist für Malz (derzeit) nicht geeignet, um die gewünschte Qualität zu erreichen. Somit wird Malz aus Österreich importiert. Jedoch kommt das Brauwasser aus einem 89 Meter tiefen Brunnen, der „artesisch“ mit natürlichem Druck an die Erdoberfläche steigt. Angeblich war auch dies ausschlagend für die Standort Wahl des Wohnhauses, wo sich jetzt auch die Brauerei befindet.

Im Sternerestaurant Uzavas Biere

HAT Brewery Biere

Ideen für Firmen und Gründung werden vom lettischen Staat gefördert. So entstand auch die Mikrobrauerei HAT Brewery. Die Idee kam wohl über Erzählungen des Großvaters über die Brautradition in Latgale. 12 Jahre lang tüffteln und probierten zwei Brüder Kristaps und Kaspars mit ihrem Schwager Tom in guter Heimbrauen Manier, bis sie in 2022 ihre Brauerei eröffnet. Selbst die Dosenabfüllanlage wurde vom Staat finanziert. Da auch ein Teil der Produktion in die Benelux Länder exportiert wird, eine schlaue Idee. Lokale in Riga werden seit neustem mit den HAT Bieren beliefert sowie Craftbeer Läden. Immer mit einer guten Portion Hopfen als Pale Ale oder IPA Sorten. Aber auch Berliner Weisse Abkömmling sind zu finden. Ich bin gespannt, wo die Reise der Brauerei noch hinführt. Definitiv experimentierfreudig! Die geschmackliche Basis und ein wirtschaftliches Gefühl sind auf alle Fälle vorhanden.

Grossssse Bierauswahl im Salons My Beer – auch HAT – schön gekühlt.

Lielvardes

Lielvardes gleich 4 Mal an den Zapfhähnen vertreten

Die Brauerei Lielvārde ist Teil der SIA „Cido grupa“, die wiederum zur dänischen Royal Unibrew gehört. Laut verfügbaren Daten hatte die „Cido grupa“ im Jahr 2016 einen Umsatz von 55,91 Millionen Euro und einen Marktanteil von etwa 22 % am lettischen Biermarkt. Also ganz ordentlich. Das erklärt auch warum sie überall an den Zapfhähnen zu finden sind. Die Brauerei Lielvārde liegt in der gleichnamigen Stadt am Ufer der Düna und reicht in ihrer Geschichte bis in die Sowjetzeit zurück, als sie Teil der Kolchose „Lāčplēsis“ war. Besonders beliebt ist das „Lielvārdes Tradicionālais“, ein klassisches Pilsener mit 5 % Alkohol. Neben Bier produziert die Brauerei auch verschiedene Cider-Sorten. Ordentliches, klares, sauberes sehr gut trinkbares Bier. Läuft!

Lecker Lielvardes in den Markthallen

ARPUS

Eine der angesagtesten Craftbier Brauereien aus Lettland – UND bei uns verfügbar. Der Hauptbierstil von ARPUS ist IPA. India Pale Ale – ordentlich hopfige Biere mit einer mal mehr mal weniger guten Trinkbarkeit aber immer mit einem knackig bitteren Finish. Jegliche Art der IPAs sind im Angebot zu finden: sei es Hazy IPA also leicht milchig meist bissle softer im Abgang, double IPA – mit NOCH mehr Hopfen und Körper oder sogar die Double New England IPA. Witzigerweise ist Arpus laut den lokalen Barkeepern schwierig in Lettland bzw. in Riga zu bekommen. Da haben wir also mehr Glück als die Locals! Schon schräg die Welt manchmal.

Kleine Bar Banshee mitten in der Altstadt mit großer Bierauswahl inklusive ARPUS 🙂

Labietis

Labietis heißt etwas freier Übersetzt „guter Mann“. Der gute Mann wurde in 2013 von einer Gruppe von Freunden gegründet, die definitiv auf Vielfalt setzen. Sie haben derzeit 70!!!! Biere im Programm. Damit der geneigte Käufer und Trinker nicht durcheinandergerät, sind die Biere farblich codiert. Die Grauen Dosen sind die einfachen Biere mit bis zu 5 % Alkohol, die gelben mit reichhaltigere Geschmack mit 4 bis 6 % Alkoholgehalt usw. Hat mir leider beim Kauf nichts geholfen, den statt nur das Red Ale habe ich auch noch das Pale Ale erwischt. Egal, waren Beide gute solide Biere, halt mit bissle Überraschung im Glas. Insbesondere wenn es dann direkt im Tasting erfolgt. Auch deren Honigbier war eine komplette Fehleinschätzung. Kurz auf die Erklärung geschaut, ja hier ist Honig drin und ja sie sind alle schwarz, war auch hier die Überraschung im Glas. Denn es gab keine Malzbasis! Nur Honig, Heidekraut, Propolis, Gelee Royal, Pollen und Hefe. Ein besonderes Metbier, trocken und extrem hell im Glas mit viel viel Honigelementen. Nicht meins – aber definitiv eine Erfahrung!
Außerdem nutzt Labietis sehr gern lokal gesammelte Heilpflanzen sowie Beeren und Obstarten. Selbst Marsh Tea bzw. wilder Rosemarin wird genutzt. Es ist eigentlich giftig für den Menschen. Das Bierteam will nahe an den Wurzeln der lettischen Braukultur sein aber auch offen für die Welt! Mit ihren Interpretationen schaffen sie definitiv beides. Respekt!

Selbst der Flughafen war wunderbar mit Bieren bestückt: Labietis und direkt darüber HAT.

Valmiermuiza

Auch hier setzen die Eigentümer auf staatliche Förderung wie die HAT Brewery aber plus Investoren. Mit ein paar Milliönchen verwandelten sie 2008 ein altes Gutshaus in eine kleine Brauerei. Interessant, dass sie auf ihren Label eine andere Zahl aufführen: scheinbar die des altes Gutshauses. Damit hat der geneigte Trinker den Eindruck, Bier aus einer sehr alten Brauerei zu trinken. Sei es ihnen gegönnt. Zudem wurde noch ein deutscher Brauer, der Matthias Saile, engagiert ordentliches gutes aus dem Kessel zu zaubern. Somit wird ca. 100km nordöstlich von Riga Bierchen gebraut, die mittlerweile im ganzen Land zu finden sind. Als ich das Amber Ale aus ihrem Programm im Bier Tasting hatte, war mir gar nicht bewusst, dass ein deutscher Brauer seit Jahren am Werk ist. Wie beim Amber Ale typisch, karamellartige Malznote, mit einer guten Portion Hopfen mit etwas fruchtigen Estern. Spannend ist, dass in Lettland keine Ausbildung zum Brauer:in möglich ist. So bildet Matthias die Mitarbeiter in Valmiermuiza selber aus.
Andere Brauereien wie Malduguns, oder Hopalaa konnte ich leider in der kurzen Zeit nicht probieren.

Amber Lager beim Bier Tasting in Riga serviert.

Nurme

Die Brauerei Nurme ist ein typisches Beispiel für die dynamische, moderne Craft-Bier-Szene Lettlands. Gegründet im Jahr 2016, hat sie sich in kurzer Zeit einen festen Platz im Herzen von Riga erobert. Anfangs als „Gypsie Brauer“ tätig, nutzte Nurme die Kapazitäten anderer Brauereien, um ihre kreativen Bierideen zu verwirklichen. Diese Phase ermöglichte es ihnen, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und die wachsende Nachfrage nach ihren Bieren als Bestätigung für den eigenen Invest zu sehen. Im September 2020 starteten sie eine Crowdfunding-Kampagne, die von 627 Unterstützern mit knapp 50.000 € finanziert wurde. Dieses erfolgreiche Unterfangen führte zur Eröffnung ihrer eigenen Brauerei in einem restaurierten Backsteingebäude aus dem Jahr 1900 im Stadtteil Avoti. Das Sortiment von Nurme ist vielfältig und manchmal schräg. Geneigte Trinkerinnen können Biere mit Noten von Pinienknospen, Nüssen, Kakao, Vogelbeeren und Kürbis entdecken. Witzigerweise haben sie aber auch das „Wiener Lager“ Bier für sich entdeckt. Ein Bierstil der in Deutschland nur sehr selten zu bekommen ist aber hier in Lettland mir mehrfach ins Glas gehüpft ist.

Wiener Lager von Nurme

Der gemütliche Schankraum der Brauerei, ausgestattet mit 12 Zapfhähnen!!!, lädt Gäste ein, die Vielfalt der Nurme-Biere direkt vor Ort zu erleben. Die knuffige Atmosphäre und die regelmäßigen Veranstaltungen, darunter Konzerte und Workshops, machen ihn zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Gut so – keep going!

12 Wissens-Schlückchen mit und ohne Bierbezug

Riga ist so viel mehr als Bier. Einige Dinge fand ich spaßig, andere beeindruckend und manche Skurill. Daher hier meine Sammlung an Wissen in unbestimmter Reihenfolge und Ansammlung. Macht euch selbst ein Bild!

1. Belgische Biere omnipräsent
viele belgische Bierkneipen: Riga hat zumindest in der touristischen „old town“ gefühlt jede zweite Bar ausgewiesen mit belgischen Bieren. Die bekannteste Brauerei des Landes, Cesu, stellt neben ihren eigenen Bieren auch – Leffe und Hoergaarden her. Beide Biermarken sind ein Teil des größten Brauereikonzern der Welt, AB InBev. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn sich die anderen Sorten des Konzerns auch in Riga verkaufen. Dada – da ist die belgische Verbindung.

Belgische Pubs in Riga
2. Stockholm School of Economic
DIE Adresse für eine private Universität in Riga. Und DIE Adresse in dem Art Noveau Viertel. In diesem Viertel sind Jugendstilperlen zu finden und im gleichen Zeitraum entstandene Holzhäuser. In der Brauerei Cesu alus AG – die mit dem Miteva Bier – sind 3 von 7 Vorständen auf dieser Uni gewesen. Scheint für die lokale Karriere ein wichtiger Hafen zu sein. Leider mit €7600 pro Jahr Studiengebühren kein Schnäppchen! Geld kommt zu Geld. Aber auch die anderen staatlichen Universitäten erheben Studiengebühren ab €1280 im Jahr.

3. MITVA Bier von einer Popband
Das Bier hat seinen Namen von dem Heimatort der Band Prata Vetra mit dem Bandnamen „Brainstorm“ auf internationaler Bühne. Sie kommen aus Jelgave – und dieser Ort hieß früher Mythva. Die Männer von Mythva haben Heldentaten vollbracht – welche sind unbekannt – aber sie mochten auch Bier. Schwups – haben wir den Namen hergeleitet für dieses Bierchen.

4. Kwas und alkoholärme Biere
Fast jede Brauerei führt Kwas. Ein mit Gersten- und Roggenmalz fermentiertes kohlensäurehaltiges Getränk meist ohne oder nur mit wenig Alkohol. Obwohl Brothefe genutzt worden ist, wird keine Alkohol oder nur wenig produziert. Das Kwas oder Kvass abgefüllt für eine Supermarkt Kette unten im Bild, Rimi, ist super. Im Tasting von nordischen Bieren bei mir daheim in Odenthal, hat das Getränk trotz wunderbarer Biere am meisten überzeugt. Sofern ihr die Hände daran bekommt, KAUFEN. Ganz klar! Die in Deutschland erhältlichen Kwas probiere ich gerade – ABER sie sind nicht so ausgewogen mit einem leicht erfrischenden spritzig fast säuerlichen Touch. Neben Kwas führen alle Brauerei auch übrigens alkoholärmere Biere im Sortiment mit 3,5% Alkohol oder alkoholfreie bis 0,5% Alkohol.

5. Bierverbrauch pro Kopf nur 10 Liter entfernt von Deutschland
Deutschland sinkt weiter mit nur 89 Liter in 2022. Wohin gegen die baltischen Staaten mit Estland und Litauen auf 79 Liter kommen. Obwohl Bier dort in den Bars und Kneipen auch kein Schnäppchen sind!


6. Kartoffel kann Michelin Stern
eines der charakteristischsten lettischen Gemüse – die Kartoffel. Sie sind in ganz Lettland aus den Gärten, Küchen und von den Tellern nicht wegzudenken. Ob gekocht, frittiert, gefüllt, in Pfannkuchen oder anderweitig. Mein Sterne Kartoffelgericht im ausgezeichneten Michelin Restaurant „Milda“ hieß „Cepelinai“. Meine laienhafte Übersetzung ist gefüllte Kartoffeln mit Speck. Lecker aber eher gewöhnlicher als gehofft.

7. Katzen als Glücksbringer
Lettland hat sein ersten international extrem erfolgreichen Megafilm. „Straume“ – eine schwarze gezeichnet Katze in der Hauptrolle – ohne Sprache zumindest menschliche. Sie erlebt in einer surrealen Landschaft und Welt Abendteuer mit vergessenen Städten und schrägen Wesen. Unter anderem im Januar 2025 wurde „Straume“ als bester Animationsfilm mit dem Golden Globe ausgezeichnet, im Dezember bei dem europäischen Filmpreis etc. Die Letten sind soooo stolz.


ABER interessant ist, dass überall auch auf Postkarten schwarze Katzen abgebildet sind. Eine der Geschichten hat auch etwas mit den Deutschen zu tun: Laut einer beliebten Überlieferung soll ein wohlhabender, lettischer Kaufmann einen persönlichen Groll gegen die Große Gilde (eine Vereinigung wohlhabender deutscher Kaufleute) gehegt haben. Als ihm die Mitgliedschaft in der Gilde verweigert wurde, ließ er als Rache zwei schwarze Katzen aus Metall auf die Türme seines Hauses setzen – mit hoch erhobenem Schwanz und mit dem Hinterteil in Richtung des Gildehauses.
Nach Beschwerden der Kaufleute musste der Kaufmann die Katzen später umdrehen, sodass sie nicht mehr provozierend auf die Gilde gerichtet waren. Fest steht – sie gelten heute als Glücksbringer insbesondere in Riga.


8. UNESCO Kulturerbe
Die Altstadt mit seinen vielen kleinen Gassen und Winkelchen ist extrem knuffig. Und überall sind Bierbars und Bierkeller zu finden. Das passt in diese Welt einfach wunderbar. 1997 hat die UNESCO Rigas historisches Zentrum in die berühmte Liste aufgenommen.

Mittlerweile finden sich viele Restaurants, Bars, Cafes aber auch Hotels und Shops in dem kleinen Viertel. Nur denen Geld fast schon egal ist, können sich direkt dort eine Wohnung leisten. Normalbürger leben eher außerhalb des historischen Zentrums.


9. Riga im Januar ist frisch – nicht kalt
Riga bietet „Free“ Rigatouren an. Das heißt, du buchst dich über ein Portal ein und wählst die geeignete Tour für dich. Am Ende zahlst du dem Tourguide soviel wie du findest er oder sie sollte bekommen. Tolles System einerseits. Die Tourguides, die wir hatten waren alle exzellent. Passioniert über ihr Land. Und vor allem unsere Old City Tour Guide Liga war sensationell – wir starteten am Wahrzeichen von Riga, der St. Petri Kirche.

Riga während meines Besuchs war zwischen 2-5°C kalt. Liga erzählt in ihrer Jugend waren in der Stadt -15°C und Schnee. Auch hier lässt der Klimawandel grüßen.


10. Bremer Stadtmusikanten in Riga
Schon 1990 fertigte die Künstlerin Christa Baumgärtel eine Interpretation von den Bremer Stadtmusikanten mit ihrem Esel, Hund, Katze und Huhn als Geschenk von der Stadt Bremen an die Stadt Riga an. Direkt vor St. Petri-Kirche mit seiner genialen Aussichtsplattform steht nun dieses Denkmal. Das war noch zur Zeit der russischen Besetzung. Es symbolisiert den Blick der Tiere durch den Eisernen Vorhang.

Deshalb schauen die Tiere auch so „ungewöhnlich“. Es soll Überraschung und Emotionen ausdrücken – unser Tourguide meinte auch Entsetzen. Wie dem auch sei – viele Touris fassen gern die Nasen der Tiere an – da es Glück bringen soll. Insbesondere der Hahn ganz oben. Aber an die Nase kommt man nur mit Hilfe dran!

11. Lettland und Russland

Ein schwieriges Verhältnis! Aber sehr klare Statements von unseren Tourguides sei es beim Besuch des ex-KGB Gefängnis im Art Noveau Viertel. Oder bei der Soviettour durch die Stadt. Beim Kunstpalast wurde extra ein übergroßes Art Portrait von Puttin an die Außenwand platziert. Direkt gegenüber der russischen Botschaft. Zusätzlich hat die lettische Regierung auch die dortige Straße umbenannt. Jetzt heißt die Adresse der russischen Botschaft: Straße der Unabhängigkeit der Ukraine Nummer 2. Beeindruckend!


12. Wer hat es erfunden?
Na den Weihnachtsbaum!! Die Balten-Staaten Estland und Lettland streiten um die Erfindung des Weihnachtsbaums. Die lettische Hauptstadt Riga feierte in 2010 den 500. Jahrestag, an dem erstmals ein Weihnachtsbaum aufgestellt worden sein soll. Dies rief umgehend einen freundschaftlichen Protest aus Tallinn im benachbarten Estland hervor, wie der Bürgermeister von Riga, Nils Usakovs, sagte: „Ich habe einen kleinen Weihnachtsbaum vom Bürgermeister von Tallinn bekommen. Er gratuliert uns zum 500. Jahrestag des Weihnachtsbaumes in Riga, erinnert aber daran, dass Tallinn schon den 569. Jahrestag feiert.“
Nach Forschern, die Lettlands Anspruch unterstützen, wurde der erste Weihnachtsbaum 1510 in Riga aufgestellt. Es handelte sich demnach um eine Holzpyramide, die als Baum bezeichnet und mit getrockneten Blumen, Früchten, Gemüsen und Spielzeugen geschmückt wurde. Der Baum soll für einen Umzug benutzt und zum Jahresende verbrannt worden sein.
Estland behauptet dagegen, die Bürger von Tallinn hätten schon 1441 den ersten Weihnachtsbaum aufgestellt. Er sei vor dem Rathaus für ein winterliches Tanzritual genutzt worden. Mir egal – wir Deutschen mögen den Baum ziemlich gern auch ohne regionales Gerangel.

Reisezeitpunkte

Obwohl das Wetter in Lettland im Winter grau und regnerisch sein kann, im Sommer ist es einfach wunderbar. Zumindest so die Hoffnung der Brauereien. Denn auch hier ist das Trinken abhängig von der Wetterlage. Insbesondere zu den Mittsommernachtsfeiern. Līgo! und Jāņi sind traditionelle lettische Feste, die zur Sommersonnenwende gefeiert werden.
Līgo! Party ist am 23. Juni und der Vorabend von Jāņi und markiert den Höhepunkt der Sommersonnenwende – traditionsreichsten lettischen Festen. Es werden Blumenkränze geflochten, Lieder gesungen und Lagerfeuer entzündet. Es ist üblich, die ganze Nacht wach zu bleiben und zu feiern – und Bier zu trinken.
Jāņi Party ist dann am 24. Juni und das eigentliche Fest der Sommersonnenwende und wird zu Ehren von Jānis, einem traditionellen lettischen Namen, gefeiert. Ähnlich wie bei Līgo! werden Blumenkränze getragen, Lieder gesungen und Lagerfeuer entzündet. Es gibt auch spezielle Speisen wie Jāņu siers (Jāņi-Käse) und natürlich Bier.
Für die Balance muss natürlich auch die Winterwende gefeiert werden, die am 21. oder 22. Dezember stattfindet, ist ein weiteres bedeutendes Fest in Lettland. Es wird als Ziemassvētki bezeichnet und markiert den kürzesten Tag des Jahres. Traditionell wird dieser Tag mit verschiedenen Ritualen gefeiert, um das Licht und die Wiedergeburt der Sonne zu ehren. Eine wichtige Rolle spielen dabei das Anzünden von Kerzen und das Verbrennen von Strohpuppen, die das alte Jahr symbolisieren und Platz für das neue schaffen sollen … und Bier.

Außerdem soll zu diesem Zeitpunkt der Weihnachtsmarkt in Riga einfach wunderschön und knuffig sein. Selbst Mitte Januar waren in Teilen noch die sehr üppigen Dekos an den Geschäften zu finden, hier und da noch ein aufwändig geschmückter Tannenbaum. Definitiv eine Zeit in der ich nochmals nach Riga zurückkehren werde.


Ich habe so viele Biere noch nicht probiert, war in so vielen Bierbars noch nicht … es gibt noch viel zu tun!

Du willst die Baltik im Glas?

Wer den Geschmack des Baltikums einmal erleben, aber nicht direkt hinfliegen will, ist bei mir genau richtig für ein nordisches Bier Tasting. Hier buchbar und erfragbar.

Gern helfe ich dabei in Tastings oder mit meiner persönlichen Bierliste. Du bist interessiert? Schreibe mir, für eine unverbindliche und komplett nach eigenem Geschmack und Einschätzung notierten Biere aus der Region.

 

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